Anti-Doping
Das Weißbuch Sport der EU-Kommission setzt sich mit dem Kampf gegen Doping eingehend auseinander. "Doping stellt weltweit eine Bedrohung des Sports dar. Doping widerspricht dem Grundsatz des offenen und fairen Wettbewerbs. Doping ist ein Demotivationsfaktor für den Sport allgemein und setzt die Profis unter unzumutbaren Druck. Doping beschädigt ernsthaft das Image des Sports und stellt ein Gesundheitsrisiko für den Einzelnen dar. Auf europäischer Ebene muss die Dopingbekämpfung einerseits die Strafverfolgung, anderseits die Aspekte Gesundheit und Verhütung berücksichtigen".
Österreich ist federführend in der 2008 ins Leben gerufenen EU Arbeitsgruppe Anti-Doping vertreten. Die Arbeitsgruppe beschäftigt sich insbesondere mit drei Themenkreisen:
- Der Schutz der Daten von Athleten (WADA International Standard for Privacy)
- Möglichkeiten der Zusammenarbeit mit der pharmazeutischen Industrie zum Zwecke der Doping-Bekämpfung
- Strafbarkeit des Handels, des Besitzes und der Anwendung von Doping-Substanzen bzw. -Methoden.
Die Arbeitsgruppe umfasst derzeit 21 Mitgliedstaaten, darüber hinaus stellte das EU-Parlament dem Sport erstmals ein Budget zur Verfügung, das 6 Millionen Euro beträgt. Aus diesen Mitteln wurde u. a. die Organisation einer Anti-Doping-Konferenz finanziert, welche vom 13. - 15.Mai 2009 in Athen stattgefunden hat und zu der Sportminister, Sportdirektoren, aber auch Vertreter der Sportverbände und der von der WADA akkreditierten Labors eingeladen waren.
Österreich hat die von der UNESCO beschlossene Konvention zur Dopingbekämpfung bereits ratifiziert.
Österreich hat sich vor allem beim letzten Sportministertreffen des Europarates in Athen im Dezember 2008 dafür eingesetzt, die Schwierigkeiten beim Konsens zwischen Europa und der WADA über die internationalen Standards - die derzeitigen Standards widersprechen teilweise eindeutig den europäischen Menschenrechtsstandards und der Menschenrechtskonvention und der Datenschutzrichtlinie der EU zu beseitigen.
Auf Initiative Österreichs wurde gemeinsam mit Deutschland, Frankreich und den Niederlanden die Europäische Kommission um Überprüfung ersucht, ob dieser Standard mit europäischem Datenschutzrecht vereinbar ist, weil dies von entscheidender Bedeutung für die Teilnahme an dem Datenverarbeitungssystem ADAMS der WADA ist.
Österreich ist zudem in der Monitoring Group der Anti-Doping-Konvention des Europarates, in der Advisory Group on Education (T-DO ED), on Legal Issues (T-DO LI): und Science (T-DO SC) und dem Ad Hoc Committee European Co-Ordination Forum for the World Anti-Doping-Agency (CAHAMA) federführend vertreten.
Österreich setzt sich insgesamt für einen koordinierten EU-Ansatz zur Dopingbekämpfung, Hand in Hand mit dem Europarat ein.
EU-Anti-Doping Konferenz in Athen 13.-15.05.2009
An der EU Anti- Doping Konferenz nahmen Vertreter der Europäischen Kommission, Fachexperten der Mitgliedstaaten des Europarates, Vertreter des Europäischen Parlaments, der europäischen NADAs, der WADA, der UNESCO, der UEFA und der europäischen olympischen Bewegung und des organisierten Sports teil.
Das Sportministerium war stellvertretend für Bundesminister Mag. Norbert Darabos durch Mag. Harald Treiber, Abteilungsleiter für internationale Beziehungen im Sportministerium, vertreten.
Der damalige EU-Kommissar Figel zeigte sich in einer Videobotschaft an die Konferenzteilnehmer sehr erfreut, dass die EU-Kommission mit der WADA einen Kompromiss über die Stellungnahme der Artikel 29 Working Party betreffend die Internationalen Standards (in Bezug auf den Schutz personenbezogener Daten) schließen konnte und stellte fest, dass dieses Ergebnis auch die sehr gute Zusammenarbeit zwischen der EU und dem Europarat unter Beweis gestellt hat.
Der Kampf gegen Doping müsse laut Direktor Mairesse von der EU-Kommission auf 3 Ebenen intensiviert werden müsse: auf der Ebene der Gesetzgebung, der Politik und der Partnerschaften. Daneben seien die Intensivierung der Forschungsarbeit, eine Verbesserung der Kommunikation unter den WADA akkreditierten Labors und mit dem Gesundheitswesen und die Vernetzung aller Stellen in der Anti-Doping Bekämpfung weitere wesentliche Bausteine.
Die EU-Kommission thematisierte weiters, dass der Trend in den EU-Mitgliedstaaten in Richtung Kriminalisierung des Handels mit Dopingsubstanzen geht.
Die EU-Kommission wird in Zukunft finanzielle Mittel zur Verfügung stellen für nationale und EU-weite Anti-Doping Politiken und Programme.
Der Workshop "Datenschutz" beschäftigte sich vor allem mit datenschutzrechtlichen Aspekten hinsichtlich der relevanten EU-Gesetzgebung und der aktuellen Diskussion über den Schutz personenbezogener Daten von Sportlern. Zielsetzung war vor allem anhand von praktischen Beispielen die in den Medien oft sehr abstrakt thematisierte Problematik für die Fachexperten und die Sportorganisationen näher zu bringen und einen Informationsaustausch zwischen Anti-Doping und Datenschutz Fachexperten aufzubauen.
Im zweiten Workshop wurde wie schon bei der Sportdirektorenkonferenz in Versailles unter französischer EU-Ratspräsidentschaft die Zusammenarbeit der französischen Behörden mit der Pharmaindustrie dargestellt und festgehalten, dass ein derartiges System auch in den anderen MS umgesetzt werden sollte.
Der dritte Workshop zeigte, dass die Europäischen WADA- akkreditierten Labors eine führende Rolle Welt weit einnehmen (von 34 akkreditierten Labors sind 15 (44 Prozent) in Europa). Notwendig sei vor allem ein vermehrter Informationsaustausch zwischen den Labors im Bereich neuer Technologien zusätzlich zum bereits bestehenden Netzwerk der WAADS (World Association of Anti-Doping Scientists).
Schlussfolgerungen der EU-Anti Doping Konferenz(PDF
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Auszug aus den Schlussfolgerungen der Konferenz :
"Die Teilnehmer zeigten sich erfreut über die Implementierung der Anti-Doping Aktivitäten in das EU-Weißbuch der EU-Kommission, die andauernde und wirksame Unterstützung des Europäischen Parlaments in Kampf gegen Doping und die gute Zusammenarbeit zwischen der EU-Kommission und dem Europarat, nahmen mit Zufriedenheit die kürzlich gemachten Fortschritte im Kampf gegen Doping und die Aktivitäten der WADA zur Kenntnis, stellten fest, dass das Problem des Dopings nicht nur ein sportbezogenes Problem sondern auch ein gesellschaftliches Problem ist, das den Gesundheitsbereich und den Bereich der Bildung ebenfalls tangiert, erkannten die Notwendigkeit der engen Zusammenarbeit aller öffentlichen Stellen als auch Sportorganisationen und -einrichtungen, die befasst sind mit dem Kampf gegen Doping, ersuchten das Europäische Parlament als auch die EU-Kommission die Anti-Doping Aktivitäten aus dem hinkünftigen Budgetposition für den Sport finanziell zu unterstützen, wenn der Lissabonner Vertrag in Kraft tritt."

Mag. Harald Treiber und Dr. Karl-Heinz Demel