Weißbuch Sport
Am 11. Juli 2007 hat die EU-Kommission als "erste umfassende Initiative im Sportbereich" ein Weißbuch Sport vorgelegt. Die hierin vorgeschlagenen Maßnahmen sind das Ergebnis eines umfassenden Konsultationsprozesses mit Sportorganisationen, den Mitgliedstaaten und weiteren Akteuren.
Gebündelt und konkretisiert werden die im Weißbuch angedachten sportbezogenen Maßnahmen in dem Aktionsplan "Pierre de Coubertin", für den im Zeitraum 2008 bis 2012 insgesamt 2,85 Mio. Euro aus dem Gemeinschaftshaushalt zur Verfügung gestellt werden
Konkrete Maßnahmen werden auf den Gebieten öffentliche Gesundheit, Bildung, soziale Eingliederung, ehrenamtliche Tätigkeit, Außenbeziehungen und Sportfinanzierung vorgelegt, u. a.:
- Verbesserung der öffentlichen Gesundheit durch körperliche Aktivität;
- Intensivierung der Dopingbekämpfung;
- Ausweitung der Rolle des Sports in der Bildung;
- Förderung des Ehrenamts im Sport;
- Nutzung des Potentials des Sports für Integration und Chancengleichheit (einschließlich der besonderen Rolle des Sports für Menschen mit Behinderungen);
- Bekämpfung von Rassismus und Gewalt im Sport;
- Förderung des Sports im Rahmen der Entwicklungspolitik;
- Verdeutlichung und Untersuchung der wirtschaftlichen Dimensionen und Auswirkungen des Sports;
- Berücksichtigung der Besonderheit des Sports im Bereich der Anwendung des EU-Rechts (einschließlich Vermarktungs- und Medienrechte);
- Schutz von Minderjährigen im Sport;
- Spielertransfers, Spieleragenten und Lizenzvergabesysteme;
- Bekämpfung der Finanzkriminalität im Bereich des Sports.
Das Weißbuch Sport der EU-Kommission stellt eine ausgezeichnete Leitlinie dar, in welche Richtung sich der Sport auf EU-Ebene bis zur Ratifizierung des EU-Reformvertrages, bis zum Inkrafttreten und darüber hinaus weiter entwickeln soll und wird. Erfreulicherweise werden ca. 60 Prozent der Maßnahmen im Pierre de Coubertin Aktionsplan des EU-Weißbuches auf EU-Ebene bereits umgesetzt oder wurden schon abgeschlossen. Aufbauend auf dem Weißbuch Sport wurden wichtige Teilbereiche wie "Sport und Gesundheit" eingehend behandelt und beispielsweise mit der Erarbeitung von EU-Leitlinien für die körperliche Aktivität umgesetzt.
Das Weißbuch Sport ist ein weiterer Beweis dafür, dass der Sport sowohl auf EU-Ebene als auch national eine Querschnittsmaterie ist, der eines intersektoralen Vorgehens und einer übergreifenden Zusammenarbeit mit dem Sozial- und Gesundheitswesen, dem Umweltbereich, der Raumplanung und vielen anderen Bereichen bedarf.
Bei allen Erwartungen und Chancen, die die bevorstehende Ratifizierung des EU- Reformvertrages für den Sport bietet, dürfen die volle Anerkennung der Autonomie und die Besonderheiten des Sports sowie die zentralen Rolle und Unabhängigkeit der Sportverbände nicht außer Acht gelassen werden.
Österreich hat sich von Beginn an in den Konsultationsmechanismus zur Erarbeitung des EU-Weißbuches eingebracht und federführend mitgewirkt, was in der Verankerung der Themenbereiche "Sport und Wirtschaft" und "Sport und Entwicklungszusammenarbeit" im Weißbuch seinen Niederschlag gefunden hat. Eine laufende Aktualisierung und Evaluierung der Umsetzung der Maßnahmen im Pierre de Coubertin Aktionsplan des EU-Weißbuches ist durch die Mitgliedschaft des Sportministeriums in einer Reihe von EU-Expertenarbeitsgruppen darunter auch der Arbeitsgruppe "Weißbuch Sport" der EU-Kommission sichergestellt.
National hat eine Fragebogenerhebung betreffend die Umsetzungsmöglichkeiten des Weißbuches Sport gezeigt, dass sich etliche Sportverbände mit den Zielsetzungen und Inhalten des Weißbuches eingehend auseinander gesetzt und daran auch Erwartungen für den organisierten Sport insbesondere was die Absicherung der ehrenamtlichen Tätigkeit anbelangt geknüpft haben.
Das Sportministerium hat mit der Einrichtung von interministeriellen Arbeitsgruppen in Bereichen wie dem Anti-Doping, Sport und Jugend und duale Ausbildung von Sportlern als auch mit der Kampagne "Team Rot-Weiss-Rot" die Umsetzung einer Reihe von Zielsetzungen des Weißbuches auch auf nationaler Ebene bereits vorgenommen.
Ein Vergleich der bisher erfolgten Umsetzung bzw. den Umsetzungsmöglichkeiten des Weißbuches in den anderen EU-Mitgliedstaaten zeigt, dass Österreich sich sehr intensiv mit den Zielvorgaben des Weißbuches beschäftigt hat und in einer Reihe von Teilbereichen wie der Verbesserung der öffentlichen Gesundheit durch körperliche Aktivität und dem gemeinsamen Kampf gegen Doping mittlerweile eine Vorreiterrolle einnimmt.
